Die Zeiten sind vorbei in denen der Bewerber der Bittsteller ist und das Unternehmen sich herablässt zu prüfen, ob der Bewerber geeignet ist. Viele Unternehmen denken um und gehen in die Position sich beim Bewerber zu bewerben (Reverse Recruiting). Ich finde es grundsätzlich sehr wichtig vom hohen Ross zu steigen, halte aber nichts davon selbst zum Bittsteller zu werden. Reverse Recruiting ist „Etikettenschwindel“, denn der Arbeitgeber steht nach wie vor über dem Bewerber.

Im Bewerbungsprozess geht es um den Ausgleich von Interessen. Keiner der Beteiligten, weder das Unternehmen noch der Bewerber, soll sich künstlich erhöhen oder erniedrigen. Wertschätzung und Vertrauen kann nur auf Augenhöhe entstehen.

Asynchrone Kommunikation

Asynchrone Kommunikation herrscht immer dann, wenn einer der Kommunizierenden über oder unter der Person steht, mit der er kommuniziert. Im „klassischen“ Recruiting begegnet uns diese Situation beginnend bei der Stellenanzeige über den Recruiting-Prozess bis hin zur Entscheidung. Gerne gebe ich Dir drei Beispiele:

Ego-Talk:

Ego-Talk, kennst du vielleicht aus einer anderen Situation. Hattest du schon mal ein Date und dein Gegenüber hat nur von sich gesprochen? Ist doch doof, oder? Leider ist der Ego-Talk in den allermeisten Stellenausschreibungen üblicher Standard. Der Bewerber erfährt nur wie toll das Unternehmen ist und was es vom neuen Mitarbeiter erwartet. Unter „Wir bieten“ sind lieblos ein paar austauschbare Allgemeinplätze wie „Gutes Betriebsklima“ und „Obstkorb“ aufgelistet.

Vollständige und aussagefähige Unterlagen:

Das Unternehmen verlangt mehr Informationen vom Bewerber als es selbst von sich preisgibt. Den Highscore für Asynchronität kannst Du erzielen, wenn Du Videobewerbungen vom Bewerber verlangst, von Dir aber nicht mal ein Foto in der Anzeige zeigst.

Don´t call us we call you:

Gleich in der Eingangsbestätigung erklärt das Unternehmen, dass der Bewerber sich nicht melden soll: „Wir melden uns bei Ihnen, von Anrufen bitten wir in der Zwischenzeit abzusehen“

Wie vermeidest Du asynchrone Kommunikation?

Das Produkt Deiner Personalabteilung ist Dein Stellenangebot. Der Kunde Deiner Personalabteilung ist Dein Bewerber. Mit dieser Sichtweise frage Dich, ob Du so wie Du in Richtung Bewerber kommunizierst, auch in Richtung Deiner Kunden kommunizieren würdest.

Bei coveto ist es unser Anspruch einen so guten Service zu bieten, dass wir selbst gerne Kunde wären. Für unser Recruiting bedeutet das: Unser kompletter Recruitingprozess soll so gestaltet sein, dass wir uns selbst als Bewerber auch wertgeschätzt fühlen, (unabhängig vom Ausgang der Bewerbung).

We are Ladies and Gentlemen serving Ladies and Gentlemen (Horst Schulze)

Wir sind Damen und Herren, die Damen und Herren bedienen. Dieser Satz, der aus dem Buch „Fünf-Sterne-Service“ von Horst Schulze stammt, drückt die Kommunikation auf Augenhöhe perfekt aus. Wenn Du dich intensiver mit dem Servicegedanken beschäftigten willst, dann ist dieses Buch Pflichtlektüre für Dich. Horst Schulze war Vorstandsvorsitzender der Ritz-Carlton Hotels. Das Buch inspiriert die Rolle als Chef, Kollege aber auch die der Mitarbeiter und Kunden neu zu denken. Es ist spannend und gespickt mit wertvollen praxistauglichen Tipps.

Buchtipp: Horst Schulze, Fünf-Sterne-Service, Campus Verlag, ISBN-13: ‎ 978-3593512280

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